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Hessische familiengeschichtliche Vereinigung e. V.Stammtisch der Bezirksgruppe Odenwald |
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Weiter zum Pressearchiv >> 2008 / 2009 >> 2010 / 201117. Stammtisch in Klein-Gumpen am 17. Februar 2012Familienforscher über einen Odenwälder, der in die USA auswanderteWer
auf seinem Dachboden oder Keller einmal eine Kiste entdecken sollte mit
alten Briefen, sollte sie auf keinen Fall einfach wegwerfen, empfiehlt
Familienforscher Ulrich Kirschnick aus Brandau. Sie könnten sich als
spannende Zeugnisse einer vergangenen Zeit und damit als wertvolle
Dokumente erweisen.
Robert Müller, ehemaliger Bürgermeister von Seeheim-Jugenheim, beispielsweise fand im Nachlass seiner Mutter ein Bündel von 39 Briefen, geschrieben von dem 1843 in Klein-Gumpen geborenen Georg Götz. Als zweiter Sohn aus zweiter Ehe seines Vaters hatte er wenig Chancen, den elterlichen Bauernhof zu übernehmen, und wanderte daher 1866 zusammen mit seiner damaligen Verlobten, der Elisabethe Weidmann aus Winterkasten und ihrem gemeinsamen Sohn Georg Philipp nach Amerika aus. Vom neuen Kontinent schreibt der Odenwälder regelmäßig an seine Familie und berichtet, wie er es, mit viel Fleiß und harter Arbeit im Lauf der Jahrzehnte schafft, zum größten Landbesitzer von Mount Carrol, einer Kleinstadt im nordamerikanischen Bundesstaat Illinois, aufzusteigen. Illinois liegt im mittleren Westen der Staaten, grenzt im Nordosten an den Michigansee. Gesammelt und sorgfältig verwahrt wurden diese Briefe von der Halbschwester des Auswanderers, der 1854 geborenen Anna Eva Götz, die später einen Peter Weimar aus Neunkirchen heiratete. Aus dieser Linie stammt auch die Mutter des früheren Seeheimer Verwaltungschefs. Herausgefunden hat dies der in der Region als Autor von Orts-Familienbüchern bekannte Genealoge Kirschnick, der sogleich fasziniert war, denn „so viele Briefe von einer einzigen Person“ zu haben, sei „nicht gerade häufig“. Er bearbeitete die Manuskripte und schaffte es, fast alle darin genannten Personen einem familiären Geflecht zuzuordnen. So erfährt der Leser viel über Leben und Wohlergehen zahlreicher Verwandter, Nachbarn und Bekannten der Familie Götz sowohl im Odenwald als auch in mehreren Staaten der USA. Der Odenwälder Stammtisch der Hessischen familiengeschichtlichen Vereinigung (HfV) lud den Forscher zu einem Vortragsabend in Klein-Gumpen ein. Rund dreißig Gäste kamen. Kirschnick las die interessantesten Stellen der Briefe vor, ergänzte die Berichte mit Fotografien und Familienstammbäumen. Irgendwo haben der Georg und seine Elisabethe geheiratet, berichtet Kirschnick, denn bei der Ankunft in New York war die kleine Familie bereits voll legalisiert. Bereits ein Jahr darauf startete Götz in die Selbstständigkeit. Zunächst waren es nur achtzig „acres“ Land, die er für 1900 Dollar erwerben konnte (ein American Acre entspricht rund 4000 Quadratmeter). In einem Brief von 1881 heißt es dann: „Jetzt ist meine Bauerei dreihundert Aker oder 480 deutsche Morgen.“ In fast allen Briefen berichtet Götz über seine Landwirtschaft, über Feldbestellung, Bearbeitung und Ernte. Nicht nur seine Flächen werden größer; auch die Familie und der Viehbestand. Das Leben in Amerika findet er wunderbar, auch die Chancen, die dieses Land ihm bietet: „Wehr in Amerika fleißig ist, dem geht’s gut, und wer sparsam ist, der wird reich, wenn er nicht durch Unglück heimgesucht wird.“ Geldbeträge tauchen immer wieder auf in seinen Briefen: wie viel er der Magd gezahlt hat, wie viel der Doktor genommen hat, als eine befreundete Familie am Nervenfieber erkrankte, oder was er selbst an Einnahmen beim Verkauf der Ernte erzielte. Im Dezember 1880 kann er mit seiner Familie sogar in eine neu gebaute Hofreite umziehen, die ihn dreitausend Dollar kostet. Doch kurz vor dem Umzug brennt sein altes Haus nieder. Doppeltes Pech: „Weil ich ein neues Haus baute, ließ ich das Alte nicht mehr versichern“, gesteht er ein. Zwei Jahre später ist der Kummer vergessen, und er lässt sich von seinen Verwandten in Klein-Gumpen über hundert Odenwälder Obstbäumchen schicken, damit er einen „jungen Baumgarten“ anlegen kann. Als seine Brüder verstorben sind, adressiert Georg Götz seine Korrespondenz an Philipp Ripper II. in Klein-Gumpen, der mit einer Nichte des Briefschreibers verheiratet ist. Götz selbst stirbt im Januar 1913. (Odenwälder Echo vom 21.2.2012) >> zum Artikel in echo-online Weiter zum Pressearchiv >> 2008 / 2009 >> 2010 / 2011 |